Tag 7: Auf nach Pingyao

Der Wecker klingelte früh: Mein Kreislauf hatte mich zwar noch nicht wirklich lieb – aber Züge warten ja bekanntlich nicht.

Am Bahnhof ist alles normal abgelaufen mit üblichem Gedränge: So früh waren alle Mitreisenden noch in ihren Betten und auch wir haben uns ein wenig aufs Ohr gelegt. Ich bin erst aufgewacht, als mir der Geruch einer Instant-Nudelsuppe in die Nase gestiegen ist. Diese Dinger haben so ungefähr das Format von unseren großen Joghurteimern und sind mit Nudeln und verschiedenen Gewürzpäkchen befüllt. Beim Waggonchef wird der Eimer mit heißem Wasser befüllt, Gewürze rein, etwas ziehen lassen und los geht das Geschlürfe.
Eigentlich hatte ich gedacht, dass sich die Bewirtschaftung etwas ändert, aber nein, wieder ewig lang Mais, Mais, Mais. Als wir durch die Berge gefahren sind, wurden die Felder kleiner – sprich, die Hänge waren terrassiert. Und da hat es auch zwischendrin tatsächlich mal ein paar Kartoffeln und Kohl gegeben.
Einige Friedhöfe habe ich gesehen: Kein definiertes Gelände wie bei uns, sondern Feld, Friedhof, Feld. Bei einigen frischen Gräbern lagen ganz große bunte Papierrosetten auf den Hügelchen und an ein paar Gräbern waren tatsächlich Kreuze.
Wir kennen Dörfer eigentlich als Ortskern und drumherum die Häuser. Hier ist alles sehr rechteckig ausgelegt. Ein typisches Haus mit Grundstück ist mit einer hohen Mauer umgeben. Direkt nach dem Eingang kommt die Geistermauer und man gelangt in einen Innenhof. Links und Rechts sind zwei Gebäude, im Hof manchmal ein Gärtchen und auf der dem Eingang gegenüberliegenden Seite das Wohngebäude, also quasi der Rückmauer entlang.
Ankunft in Pingyao – gleich am Bahnhofsausgang waren die Anschnacker von wegen Fahrt in die Stadt, die autofrei ist. Der Fahrer des Elektrokärreles wollte uns 40Yüan abknöpfen, Sönke hat ihn auf die Hälfte runtergehandelt und sage, dass das immer noch zu viel sei. Nun, er brachte uns in die Stadt und setzte uns an einer für sein Kärrele gesperrten Stelle ab und wies uns den Weg. Nach ein wenig Fußmarsch und Suchen haben wir das Hostel gefunden: Der Fahrer hätte uns über eine andere Strecke fast bis direkt vors Hostel fahren können – Mistkerl! Hat sich wohl übers runterhandeln geärgert.
Aber das Hostel ist der Hammer! Ein Haus in altem chinesischem Stil mit ganz vielen Innenhöfen, die Fenster zum Teil noch mit Papier, statt mit Glas. Das Bett ist eigentlich für drei Leute ausgelegt – die Matratze ist, wie im Hostel zuvor, ein Futon. In Studentenzeiten hatte ich einen Futon, da war ich das Schlafen auf härterem Untergrund gewöhnt – hier haben mir aber erst mal morgens alles Knochen weh getan – jep, man wird halt nicht jünger … Mittlerweile geht es.
Wir sind noch durch die Stadt gebummelt: Pingyao ist ein lebendes Museum. Alte Häuser, die Stadtmauer – erfreulicherweie sind die obligatorischen Leuchtreklamen hier verbannt worden. Häuser, die verfallen, werden im alten Stil wieder aufgebaut. Man kann sich ein Ticket kaufen und dann in viele Häuser, die als Museen umgebaut sind, reingehen – das haben wir morgen vor.