Tag 29 – das gehört Verboten!

Hab ich gestern gejammert über Gedrängel? Es geht noch schlimmer: Doch der Reihe nach …
Zu Beginn unserer Reise haben wir in Beijing ja nicht wirklich was angeschaut, weil Kevin dabei sein wollte. Für diesen Tag haben wir uns die verbotene Stadt vorgenommen.

Mit der U-Bahn sind wir bis zum Tian’an men – Platz gefahren und haben uns am Mao-Bildnis über die Brücke schieben lassen, durch ein Tor hindurch, dann über einen großen Platz bis vor die verbotene Stadt. Dort hat Sönke Tickets geholt und wir sind zum Eingang. Kontrolle der Taschen über Röntgenscanner – am Ende eines längeren Tordurchgangs: Ich bin, trotz oder gerade wegen Judo, ein eigentlich zurückhaltendender Mensch was Körpereinsatz gegen andere Menschen betrifft, aber hier blieb mir nichts anderes übrig, als die Ellenbogen massiv auszufahren.

Auf den großen Vorhöfen und -plätzen verliefen sich die Massen ein wenig, aber jeder Durchgang wurde zur Drängelei. Das fand ich wirklich schade, weil die Gebäude und die Anlage schon beeindruckend sind. Die Figuren, die Zeichnungen, die glasierten Verzierungen sind superschön.

Und dann kam das für mich Heftigste: Bei einem Pavillion, in dem der Kaiserthron stand, waren zwei Türen geöffnet: Ich hätte erwartet, eine Tür rein, zur anderen wieder raus. Nein, man durfte bis zur Tür, reinluschern und wieder weg. Es war tatsächlich auch vorgegeben, von wo man kommen und wohin man dann gehen sollte. Hätte auch funktioniert, wenn die Chinesen nicht traditionsgemäß alle Regeln ignoriert hätten. Ein Hauen und Stechen, nur, um mal kurz auf den Thron zu schauen – ej, das ist doch locker besser zu organisieren: Soll ich mal?

Zwei Mal hab ich mir das angetan, dann hat Sönke in so einem Fall den Fotojob übernommen. Sehr gerne hätte ich mir das eine oder andere mit mehr Ruhe angesehen, aber diese Menschenmassen haben mich echt fertig gemacht! (Und Kevin auch, der mit Jeskos Kumpel Raphael am Abend zuvor bis 5 Uhr durch die Clubs gezogen ist … – ich muss nichts sagen über den Fitnesszustand, oder? … Anmerkung von Kevin: „Ej, für die paar Stunden Schlaf hab ich unglaublich gut ausgesehen!!“ – Ich muss gestehen: Er hat tapfer mitgezogen! )

Wir sind noch ein wenig durch die Straßen zur nächsten U-Bahn: Kevin ist zum Hostel gefahren und Sönke und ich sind zum Lama-Tempel: Das haben wir geruhsam angehen lassen, uns immer wieder hingesetzt und die Leute beobachtet, dann wieder einen Tempelraum angesehen. Ein riesiger Buddha war aus einem einzigen Stamm geschnitzt – und damit ist ein Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde erzielt worden. Aber auch die anderen Figuren waren schön – ich mag den Ausdruck auf den Gesichtern so gern, sie strahlen oft so eine Ruhe und Gelassenheit aus.

Dann sind auch wir zurück ins Hostel: Wir haben Kevin gefragt, ob er zum Essen mit wollte, aber er hatte schon in dem Lokal vom Vortag sein Lieblingsgericht Egg-fried-rice gegessen. So sind wir zwei Oldies losgezogen und haben noch ein have-to erledigt: Peking-Ente essen.
Sönke hatte aus dem Reiseführer ein Lokal herausgesucht und das haben wir tatsächlich auch gefunden: Ein kleiner, fast unscheinbarer Eingang im Vergleich zu den umliegenden Restaurants. Aber das Ding war riesig! Nach hinten raus ein Raum nach dem anderen, dann über eine kleine Gasse und weitere Gasträume: Wir wurden in einen netten Innenhof geführt mit einem kleinen Becken, in dem vier Entenkücken paddelten – was uns aber nicht von unserem Vorhaben abgebracht hat.

Wir bestellten die Peking-Ente auf traditionelle Art, das heißt, es wurden drei verschiedene Soßen, mehrere Schälchen mit Gemüsestiftchen und Salat und eine Schale mit Mini-Crepes auf den Tisch gestellt. Dann wurde die Ente auf einer Platte gebracht und von einem Küchenmeister mit einem Riesenmesser hauchdünn aufgeschnitten und auf einer Platte angerichtet. Wie man sich schon fast denken kann, würden die einzelnen Zutaten in den Minicrepes gepackt und genüßlichst verspeist.

Und die Entenhaut – knusprig und das Fett fast ganz ausgelassen – schmeckte am besten. Gut, in diesem Restaurant haben wir etwas mehr Geld gelassen als sonst – aber das war es wert!! Ein kleiner Verdauungsspaziergang durch die mit unzähligen roten Lampions gechmückte Straße, dann sind wir im Hostel ins Bett gefallen und haben den Wecker auf „sehr früh“ gestellt.