War es vorgestern noch extrem smoggy gewesen, hatten ein paar Regentropfen die Situation gestern etwas verbessert: Ich baute fest darauf, dass dieser Tag wettertechnisch der beste werden sollte für unser Vorhaben: Die große Mauer.
Wir hätten eine vom Hostel angebotene Tour mitmachen können, aber die wollten erst um 8 Uhr starten und dann wären wir im Pulk unterwegs gewesen und hinterher noch Lunch in einer der Touristenstationen. Da hatte ich voll gar keine Lust drauf! Also haben wir im Internet recherchiert und ausgetüftelt, wie wir an eine nicht so überlaufene Stelle hinkommen könnten. Die meisten Leute gehen nach Badaling, weil es die nächstgelegene Stelle ist. Wir entschieden uns für Mutianyu, 70 km nordöstlich von Peking.
Ganz früh schon (5:45 Uhr) klingelte der Wecker und der Blick zum Himmel versprach: Strike! Um 7:00 Uhr hatten wir die Busstation und Bus gefunden, eine Stunde später stiegen wir in einem Ort in ein Taxi um, dass uns nach Mutianyu brachte. Wir holten uns Eintrittskarten und sind mit dem Sessellift nach oben gefahren.
Und da standen wir bei herrlichstem blauen Himmel, kaum Leute, treppensteigentrainiert von den Reisterrassen und den Karstbergen, höhentrainiert von Dali – also los! Rauf und runter ging es über gerade Wege, kleine Treppen, große Treppen, Monsterstufen, mal mehr, mal weniger steil.

Das heftigste Stück zwischen zwei Türmen bestand nur aus steiler Treppe mit kanpp 450 Stufen. Eigentlich war an diesem Turm Schluss (für die meisten Leute allein schon konditionell), also für Touristen nicht freigegeben, aber wir sind dennoch weitergegangen (hatten wir im Web gelesen, dass das geht) und haben daher auch unrestauriertere Teile gesehen und sind noch höher hinaufgekommen. An einem Turm war dann aber wirklich Schluss und es waren nur noch Mauerreste da: Das war uns denn doch zu gefährlich. Also haben wir den phantastischen Ausblick genossen und dann den Rückweg angetreten: Man sollte meinen, runter geht leichter, aber jeder Bergsteiger weiß, runter geht auf die Knie.
Mittlerweile hatten auch die Gruppen die Mauer erreicht und es wurde deutlich voller: In den schattigen Wachtürmen drängelten sich die Leute rein und raus. Die Frauen mit ihren Schirmchen managten gleichzeitig an der anderen Hand ihre Kids – nicht so einfach bei den schmalen Zugängen. Und die Männer mussten an genau diesen Stellen uuuuunbedingt Fotos machen. Waren wir froh, dass wir so früh da gewesen waren!!! Wir passierten die Stelle der Gondelstation (ja, es gibt dort noch eine zweite Bahn hoch) und liefen bis zur Station des Sessellifts: Von dort aus gibt es eine Sommerrodelbahn nach unten und dieses Vergnügen wollten wir uns gönnen.
Warum manche da runterrutschen wollen und gleichzeitig nur am bremsen sind, das haben wir nicht wirklich verstanden. Kevin hat schon gut Abstand zum Vorderrutscher gelassen, Sönke nochmal einigen Abstand zu Kevin und ich dann hinterher. Anfangs konnten wir noch etwas Gas geben, hatten dann die Vorderrutscher aber flott eingeholt.
Sönke ließ vor dem letzten Teilstück nochmals Abstand zu Kevin und hat dann Gas gegeben: Das ließ einen der Aufpasser an der Bahn tatsächlich aufspritzen – „slow down, slow down!“ Ich hab mich schief gelacht und mich, wie auch der Ami hinter mir, über das Tempo gefreut. Unten sicher angekommen, haben wir ein Minitaxi und dann den Bus nach Peking genommen – im Bus sind Sönke und ich voll weggeknackt …
Im Hostel haben wir uns etwas frisch gemacht und sind dann zum Essen losgezogen – nach der Tour hat uns das Essen doppelt gut geschmeckt. Die Tour war doch anstrengender gewesen, als zuerst gefühlt: Jedenfalls haben wir den Tag bei Mojito, Bloody Mary und Black Russian gemütlich ausklingen lassen.
