Nach einer für mich reichlich schlaflosen Nacht (nun hat mich der Beruf doch leider mit einer ziemlich unerfreulichen Geschichte eingeholt) haben wir unsere großen Rucksäcke reisefertig gemacht und die kleinen Rucksäcke mit „kleinem Gepäck für eine Nacht“ bestückt.
Während die großen Rucksäcke noch oben bei Isabelle bleiben und morgen per Aluguer nach Sao Felipe geschickt werden, machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Den Weg, den Sönke gestern beschrieben hat und dann geht es runter, runter runter: 1600 Höhenmeter lassen die Knie schnaggeln. Wo gestern noch die Wolkennebel waberten, hatten wir heute nur ein paar Wölkchen zwischenherein. Für uns prima, weil wir dann nicht in einer Nebelsuppe absteigen mussten, sondern auch richtig schön – im Gegensatz zur schwarzen Caldeira – die grüne und üppige Landschaft bewundern konnten.
Nachdem wir die Sommerresidenz des ersten kapverdischen Präsidenten passiert hatten (ziemlich verfallener Bau inszwischen) kamen wir zu den Kaffeeplantagen. Beileibe aber keine Monokultur: Da wachsen Zitronen, Bananen, Agaven, Kartoffeln und noch vieles mehr. Ich sorgte noch für einen running gag: Wir hörten ein Tier brüllen und Jason und Sönke unterhielten sich, was das für ein Tier war. Sie sagten: Das war ein Esel. Ich verstand: Ein Rind. Folgerichtig sagte ich: Da drüben ist er. Sönke fing an zu lachen und erklärte mir, dass das wohl eine Kuh sei, das würde er schon noch erkennen.
Und kein Esel. Aha. Ok, so langsam verstand ich. Und Sönke musste das gleich Jason erzählen, der mich auch prompt auslachte und mir bei nächster Gelegenheit einen Esel vorstellte. Nun, ich habe mir auf dem Abstieg noch einige Male den Unterschied zwischen Rind und Esel anhören dürfen und prompt, als wir unten waren, auf die Frage, was das den für ein Tier sei, mit Fingerzeig auf ein Rind, „Huhn“ geantwortet. Wie soll man denn sonst aus der Nummer wieder rauskommen???
Der Pfad war unter schlechter zu gehen: Kleine Steinchen machten den Weg ziemich rutschig. Zweimal hat es mich fast geschmissen, das dritte Mal hab ich es nicht hindern können. Das Fallen war nicht so tragisch, nur leider habe ich mir die Hose kaputtgerissen: Erfreulicherweise an einer Stelle, wo man es nicht gesehen hat – eine Ersatzhose hatte ich nicht dabei. Bis dahin war es nicht so unbedingt mein Tag …
Wir gelangten zur gepflasterten Straße. An einem Aussichtspunkt haben wir eine kleine Pause eingelegt: Man konnte wunderbar auf die Küste runterschauen und unser Ziel, Monteiros, sehen. Nach weiteren 400 Höhenmetern auf der Straße (das ist anstrengend, weil die Pflastersteine nicht so hübsch glatt sind wie bei uns, sondern eher wie so ein Stein halt naturgemäß ist: eckig und kantig) erreichten wir einen Ortsteil von Monteiros, wo eher ärmere Leute wohnen. Viele junge Männer, die rumlungerten. Jason war es nicht besonders angenehm, dort mit uns durchzugehen und konnte es insbesondere nicht leiden, wenn wir angebettelt wurden.
In Monteiros angekommen fragte Jason in einer Pension nach dem Zimmerpreis und befand ihn für zu teuer. Im Nachbarhaus war auch eine Pension: Dort war der Preis günstiger. Ich habe mir ein Zimmer angesehen und für absolut ok befunden. Als wir aber abends in der „teuren“ Pension zu Abend gegessen haben, kam die Dona des Hauses und sagte uns, dass das Mädchen einen falschen Preis genannt hätte. Und dann musste ich mir die Zimmer ansehen – alle! Und auch die zwei neuen Zimmer mit Meerblick, die dann teurer wären. Und ich solle das unbedingt unserem Guide sagen … – na, das haben wir am nächsten Morgen Jason erzählt, der ganz schön grinsen musste.
Nachdem also die Übernachtungsfrage geklärt war, sind Sönke und ich losgezogen in den Ort. Bei der „teuren“ Pension war ein kleiner Straßenverkauf mit kleinen süßen Stückchen bzw. den Thunfischtäschchen, die so lecker sind. Wir haben uns etwas Süßes geholt und beschlossen, die Thunfischteilchen auf dem Rückweg mitzunehmen. Sönke hatte aber leider nur einen großen Schein: Also sagte die Dona, wir bräuchten erst auf dem Rückweg zu bezahlen. Auch Jason hat für seine Tagestouren erst ganz zum Schluss sein Geld haben wollen. Und an einer Schranke vom Naturpark (die Caldeira ist Naturpark) haben wir auch lediglich versprechen müssen, dass wir Jason das Geld mitgeben. Die Leute haben ganz schön Vertrauen: In Deutschland würde man so etwas weniger bis gar nicht erleben.
Auf dem großen Platz in Monteiros haben wir einen Datentarif fürs Handy gekauft: Mit viel Hin und Her und viel Kümmern hat es dann letztendlich geklappt und wir können das Handy als Hotspot für das Tablet verwenden. Während Sönke die Handygeschichte noch zum guten Ende gebracht hat, habe ich eine Mütze voll Schlaf genommen: Ich war irgendwie voll durch an dem Tag.
Nach dem Essen habe ich webwirbeltechnisch noch einige Sachen auf den Weg gebracht – und konnte die Nacht recht beruhigt schlafen.




