Am Morgen sind wir zum Bahnhof – verflixt, alles ausgebucht und auf 26h Hardseater hatten wir echt keine Lust. Hatte ich schon über die Klassen geschrieben? Es gibt 4 Klassen: Hardseater (harte Sitze in großen Waggons – Preis: superbillig – und es wird alles mitgeschleift: Hühner, Gemüse, …), Softseater (wie bei uns die Milchkannenexpresse nach Pinneberg), Hardsleeper (das war die Geschichte mit den Stockbetten) und als Abteile und etwas komfortabler und abgeteilt die Softsleeper). Und die Züge sind voll, meistens sehr voll, allermeistens sehr, sehr voll.
Tickets bekommt man drei Tage im Voraus: Und wir waren zu spät. Fliegen? Zu teuer. Das Einzige, was noch möglich war, war ein Schlafbus nach Kunming. Nun ist also das eingetreten, was wir schon erwartet hatten: Spontane Reiseplanänderung.
Wer gerade keine Karte zur Hand hat: Kunming liegt im Westen auf einem Plateau 2000m über dem Meeresspiegel. Fast an der Grenze zu Vietnam und Laos. Der Himalaya lässt grüßen. Flugs haben wir weitergeplant und Jesko hat ein Hostel in Dali gefunden, welches tatsächlich von vier Plätze frei hatte. Kunming – Dali sind nochmals 5 Stunden Fahrt. Aber in Dali soll das Torch-Festival stattfinden – da ist viel Feuer im Spiel. Und von 4000m-Bergen umgeben. Verspricht also einiges.
Die Zeit bis zur Abfahrt des Busses haben wir uns in einem Lokal vertrieben, in dem man sich zum Spielen treffen kann – zum Karten oder Brettspiele spielen. Das Ding war voll! Find ich eine klasse Idee – mal was anderes als das PC-Spiel-Geflimmer und Geballer. Wir haben Karten gespielt – ich wurde Erste: OK, von hinten …
Vom Bahnhof sind wir mit einem Kleinbus eine Stunde durch die Stadt zu einer Tankstelle gefahren worden und dort wartete schon unser Schlafbus. Eine coole Art zu reisen: Doppelstockliegen in drei Längsreihen. Und lange Panoramafenster. Sönke und ich haben zwei Liegen in der Mitte, Jesko ist rechts oben und Kevin links ganz vorne: Er hat wohl die beste Sicht. So sitzend, halbliegend oder liegend lasse ich diese wunderschöne Karstlandschaft an mir vorüberziehen, während die Sonne langsam untergeht.