Von der Subkultur Neotango haben wir uns wieder der großen Kultur zugewandt. Roms Kulturschätze warteten darauf, von uns entdeckt zu werden. Unseren Romführer konnten wir getrost in der Tasche lassen: Silvia und Oliver hatten sich netterweise einen ganzen Tag Zeit genommen, um uns die Stadt zu zeigen. Das war echt edel, diese Privatführung!
Mit der U-Bahn starteten wir die Tour zum Petersplatz. Die Schlange der Wartenden auf die Besichtigung des Vatikans ging einmal um den ganzen Platz. Wie gut, dass wir schon im Vorhinein beschlossen hatten, nicht dort hinein zu gehen.
Wir folgten dem Fluchtweg des Papstes bis zum Castel Sant Angelo. Von dort ging es über die Engelsbrücke: Eine Möwe ließ sich sehr gerne fotografieren, aber hoffte mehr oder minder insgeheim auf Futterlohn. Einer jungen Frau, die mit einem Stück Brot entlang ging, ist sie auf der Balustrade eifrigst nebenher gerannt und hatte das Brot schon sehr zielstrebig im Visier. Aber die Frau hat es aufgrund der Lacher gemerkt und sich schnell abgedreht – Pech für die Möwe…
Über verwinkelte Gässchen gelangten wir auf die Piazza Navona mit drei Brunnen. Der größte von ihnen ist der Brunnen der vier Flüsse. Der von Berini geschaffene Brunnen symbolisiert durch je eine Figur den jeweils größten Fluss der damals bekannten Kontinente: Donau, Ganges, Nil und Rio de la Plata.
Weiter ging es zum Pantheon: Whow! Diese Größe und Wuchtigkeit hat mich total beeindruckt. 43,20m in Höhe und Durchmesser: Gewaltig! Genau diese Längenverhältnisse machen es unglaublich schwer, das in Fotos zu packen.
Ein kleiner Abstecher zur Piazza della Minerva: Bernini hat ein weiteres, ich finde, nettes Kunstwerk geschaffen. Ein fast verschmitzt schauender Elefant trägt eine Kriegsbeute der Römer, einen ägyptischen Obelisken.
Auf der Piazza Venezia haben wir das Monumento a Vittorio Emanuele II bewundert: Nicht unumstritten dieser Bau, wurden dadurch antike Funde überbaut. Wir sind an dem Monument außen herum gelaufen und eine Treppe nach oben gestiegen. Whow!!! Das Forum Romanum. Fantastisch der Blick: Morgen wollen wir hinein – ich freue mich schon jetzt darauf! Ich hätte gut und gerne noch länger schauen mögen, aber so langsam knurrten die Mägen.
Vorbei am jüdischen Viertel, über die Isola Tiberina nachTrastevere. Das für seine Kneipen und Restaurants bekannte Viertel hielt auch für uns Bruschetta, Spaghetti Carbonara, Saltimbocca und Creme Caramel bereit. Frisch gestärkt ging es weiter.
Quasi en passant haben wir den Mund der Wahrheit mitgenommen (unvergessen die Szene mit Audrey Hepburn vor dem Stein, wo sie als Prinzessin inkognito durch Rom zieht, verflixt, mir fällt der Filmtitel nicht ein!). Der Weg führte uns weiter nach oben auf einen Hügel mit einem Orangenhain. Einen schönen Blick hatte man von dort oben. Ein Stückchen weiter am Piazza del Cavalieri di Malta konnte man durch das Schlüsselloch eines Tores linsen: Durch einen Pflanzentunnel sieht man genau auf den Petersdom. Sweet!
In die Kirche Santa Sabina als eine der älteren Kirchen Roms haben wir noch kurz reingeschaut. Danach sind wir zum Circus Maximus, den wir vorher schon kurz gestreift hatten: Eigentlich hatte ich gedacht, dass mehr davon erhalten ist. Aber man konnte sich dennoch gut vorstellen, welchen Speed die Wägen damals auf der Gerade erreichen konnten und wie schwierig es gewesen sein muss, dann die Kurve zu kriegen.
Ich war nun total gespannt auf das Kolosseum – der Konstantinsbogen war für mich fast nur noch Nebensache. Wir hatten total Glück, denn die Warteschlange für das Kolosseum war sehr kurz und wir waren recht flott drin.
Eine Flut von Superlativwörtern fallen mir spontan ein. Diesen Bau ist so gewaltig. Locker könnte ich Stunden damit verbringen, dort Fotos zu machen. Gerne wäre ich auch noch in den dritten Stock bzw. in das „Untergeschoss“, aber es sollte schon wieder weitergehen.
San Giovanni di Laterano, quasi eine Außenstelle des Vatikans, war die nächste Station. Besonders beeindruckt haben mich die Decken. Keine Gemälde oder Stuckmuster wie sonst oft, sondern plastische Figuren und Wappen aus Gold. Und die riesigen Apostelfiguren aus Marmor waren auch toll.
Mit dem Verlassen des Stadtkerns haben wir Kunst und Kultur für heute hinter uns gelassen. Silvia und Oliver haben ein Geschäft zielstrebig angesteuert: Mit Supplis versorgt, das sind mit Reis und Mozzarella gefüllte Kroketten, haben wir auf einer Parkbank schmausend den Tag ausklingen lassen.
Mir fallen noch ein: Eine Säule mit einerm spitalförmigen Relief und eine Kirche, dessen Deckengemälde die perfekte Illusion eines gewölbten Raumes war (steht modernem 3D in nichts, aber auch gar nichts nach!). Ich weiß aber gerade nicht mehr, wo ich sie hintun muss. Ich frage Silvia morgen …
Mir fallen zu: Meine Augen. Es war ein wundervoller Tag!














