Au weh, die Nacht habe ich lausig geschlafen – der Ventilator hat so gelärmt und gepustet – aber ohne wäre auch nicht viel besser gewesen.
Zum Frühstück sind wir in Jeskos Lieblingsgarküche gegangen – ich war allerdings noch so satt vom Vortag, dass ich nicht wirklich was gegessen habe.
Dann haben wir einen Spaziergang zum Markt gemacht: Marktstöbern finde ich immer interessant. Überall stehen die Körbe, die schwer beladen paarweise mit Bambusstangen getragen werden. Unglaublich, was damit alles transportiert wird. Ein kleiner Holzhocker und eine Handwaage dazu – fertig ist der Verkaufsstand.
Und überall sind wir angestarrt worden oder mit „hello, hello“ begrüßt worden. Guanyang ist komplett keine Touristenstadt und Westler verirren sich nicht wirklich oft dahin. Man kommt sich voll wie ein Star vor, winkt hier, winkt da und alle freuen sich. Manchmal kam auch ein „hello Mister Long“ – das war dann einer von Jeskos Schülern. Es ist wirklich witzig, wie die Leute auf uns reagieren: Manche schauen hin und schnell wieder weg, wenn man sie bemerkt. Manche sind unsicher, ob sie wieder wegschauen soll und freuen sich, wenn man lacht und sie anwinkt oder gar ni hao sagt. Oder sie grüßen von selbst.
Auf dem Rückweg haben wir noch einen kleinen Abstecher in einen kleinen buddhistischen Tempel gemacht. Für Kevin war es der erste Tempel.
Und dann haben wir noch per Zufall eine Futonmanufakur gesehen: Schafwolle wird in Schichten übereinander gelegt und jede Schicht mit parallel gelegten Fäden überspannt. Diese geschichtete Matratze kommt dann in ein Rüttelgerät und wird quasi verfilzt und gepresst.
Nach unserer kleinen Tour haben wir unsere Sachen soweit zusammengepackt, damit wir nach unserer Luncheinladung gleich losfahren konnten. Zu Mittag waren wir bei einer Englischlehrerin zu ihr nach Hause eingeladen worden. Zudem waren noch drei weitere Englischlehrerinnen zum Teil mit Mann und Kind dabei. Es war also eine etwas größere Runde. Es sollte eine lokale Spezialität geben: Oil Tea. Dazu gab es verschiedenes Obst und Reisteigklöße. Immer wieder schon hatte ich an verschiedenen Ständen eine Frucht gesehen, die Apfelform, aber Birnenfarbe hatte – und genau so hat sie auch geschmeckt, nämlich zwischen Apfel und Birne.
Unter Oil Tea konnte ich mir gar nichts vorstellen: Beim Luschern in die Küche beobachtete ich, wie der Mann der Lehrerin Reis im Wok fast wie Popcorn aufgehen ließ. Mal abwarten, was damit passiert. Dann erhielten wir eine Schale süßen Tee. Geleert wurden die Schalen wieder auf ein Tablett gestellt und von nun an immer wieder befüllt: Mit Brühe, dem Pop-Reis, Nudeln, verschiedenen Fleischstückchen und Gemüse. Eigentlich nicht schlecht – aber der ölige Reis lag mir hinterher doch recht schwer im Magen.
Und zwischendrin ging es hoch her: Vor allem mit megalauter (und megafalschen) Karaokegesängen, Sönke und ich haben einen kleinen Tango zum Besten gegeben, die Minis sind irgendwann aufgetaut und in Sönkes Armen gelandet, Kevin und Jesko haben mit den Lehrerinnen das Kartenspiel mit den chinesischen Zahlen gespielt und wir haben unsere Euromünzen und einen Naturpark Aukrug-Prospekt gezeigt. Wir hatten allerdings nicht so sehr viel Zeit und haben uns irgendwann losgeeist. Zum Abschied hat Jesko noch einen ganzen Karton mit Obst geschenkt bekommen.
Mit dem Bus ging es in dreistündiger Fahrt nach Guilin: Von dort aus wollten wir eigentlich einen Nachzug nach Chengdu nehmen – es gab aber keine Plätze mehr. Also haben wir die Nacht in Guilin verbracht.


