7. Tag – Agri-Kult(o)ur


Gestern hatten wir es zwischendrin noch geschafft, die Tour für heute zu buchen: Mich hatte es schon immer interessiert, wie mein morgendlicher Lebensretter hergestellt wird – also Kaffee.

Daher hat uns Wiliam morgens abgeholt und wir sind ca. 1 1/2 h zu einer Finca gefahren. Vorweg: Es war eine richtig klasse Tour, bei der uns Wiliam enorm viel erzählt und gezeigt hat – toller Guide!
Auf der Hinfahrt sind wir am Santiaguito, einem der drei noch aktiven Vulkane Guatemalas, vorbeigefahren und haben von der Ferne ein Bild gemacht. Alle 20 Minuten pustet er was raus. In letzter Zeit etwas weniger, was darauf hindeutet, dass sich was zusammenbraut.
Auf der Finca angekommen wurden wir von Fredi begrüßt, der uns dann alles gezeigt hat. Es ist ein private Finca mit 24 Familien als Arbeiter. Einer aus der Familie arbeitet auf der Finca, die anderen müssen nur bei der Ernte mithelfen. Die Kinder erhalten eine Schulbildung (müssen aber auch bei der Ernte mithelfen). Schule ist übrigens keine Pflicht in Guatemala.
Fredi zeigte uns die Kaffeepflanzen und berichtete über die Schwierigkeiten beim Kaffeeanbau und wie sie versuchen, diesen nur auf organische Weise beizukommen. Beispielsweise werden Pflanzen der Sorte Arabica (wohlschmeckender) auf die Sorte Robusta (sagt schon der Name: robuster) aufgepfropft. Interessant fand ich auch, dass ein Blütenansatz dreimal blüht und erst beim vierten Mal die Bohne ausgebildet wird. Auf dieser Finca werden die Bohnen das erste Mal geschält und dann verkauft. Und die Käufer übernehmen dann die zweite Schälung.
Nachdem Kaffeeanbau sehr personalintensiv ist, hat sich diese Finca ein zweites Standbein geschaffen mit der Ernte von Kautschuk und ein drittes mit dem Anbau von Zuckerrohr. Uns wurde gezeigt, wie die Bäume angeritzt werden, um den Rohstoff für Gummi aufzufangen. 500 Bäume schafft ein Arbeiter pro Tag: Denn die Bäume müssen immer wieder frisch angeritzt werden.
Der nächste Part war das Zuckerrohr: Vor der Ernte wird Feuer gelegt, um das Unterholz zu verbrennen und insbesondere Schlangen zu vertreiben. Dann haben die Arbeiter 5 Tage Zeit das Zuckerrohr zu schlagen: Eine schlechtbezahlte und sehr anstrengende Arbeit. Fredi hat ein Stück Zuckerrohr geschält und wir durften den süßen Saft auskauen.
Dann sind wir wieder zur Finca zurückmarschiert, während wir uns über ganz viele Themen sehr angeregt unterhalten haben – das war wirklich hochinteressant. Vorbei am Waschhaus, wo gerade die Frauen zugange waren, ging es zum Bereich wo sie früher das Zuckerrohr gepresst haben – das machen sie aber nicht mehr selbst. Und so fahren Riesenlaster mit Zuckerrohr beladen durch die Gegend und vielleicht direkt zu Coca-Cola, die ein großes Werk ganz in der Nähe haben.
Dann haben wir noch die Jungpflanzenzucht besichtigt. Dabei sind wir an einem Kakaobaum vorbeigelaufen: Fredi ist in den Baum geklettert und hat eine reife Frucht geerntet. Auf der Veranda der Finca hat er sie aufgeschnitten und wir haben uns einen Kern genommen, der ummantelt ist von süßlichen Fasern, die man auslutschen kann. Das Häutchen wird normalerweise durch Trocknung vom eigentlichen Kern entfernt. Dann werden die Kerne geröstet, gemahlen und durch den hohen Ölanteil wieder „verknetet“.
Vor der Finca standen ein paar alte Majasteine: In der Nähe gibt es eine Ausgrabungsstätte. Aber überall auf den Feldern liegen alte Majasteine -zum Teil aber so kaputt, dass die Museen sie mangels Qualität gar nicht einsammeln.
Wir verabschiedeten uns von Fredi und sind wieder nach Xela zurückgefahren. Unterwegs haben wir noch an einem Straßenstand Halt gemacht, den wir bereits auf dem Hinweg gesehen hatten. Spezialität: Chicharrones und Carnitas. Ersteres ist krosse Schweineschwarte (in kleineren Stückchen), die mit Zitrone beträufelt wird oder anderen pikanten Saucen – sehr lecker. Das andere sind gegrillte Fleischstückchen vom Schwein. Dazu gab es Yamswurzel-Püree: Das mochte ich auch sehr gern. Sönke hatte dazu noch eine Spezialität zum Trinken: Bier mit Tomatensaft und Chili – ähm ja, war nicht wirklich der Hit …

Kurzer Hotelstopp und gleich wieder auf die Piste – sozusagen Halbzeitpause. Wir haben den Camioneta nach Salcajá genommen. Der Ort ist einmal für die Webereien berühmt, was man unschwer auf dem lokalen Markt erkennen konnte. Nicht nur die fertigen Produkte, sondern auch enorme Mengen an bunter Wolle wurden feilgeboten.
Und das Zweite ist Caldo de Frutas – eine Art Rumtopf. Davon haben wir gerne ein Fläschchen gekauft. Dann haben wir noch die älteste Kirche Mittelamerikas von außen gesehen.
Nach einer kleinen Plauderei mit einer Frau an der Bushaltestelle haben wir den Camioneta nach San Andrés Xecul genommen. Dort steht eine gelb getünchte und mit ganz vielen Figuren bemalte Kirche. Wir sind an der Endstation ausgestiegen, haben ein, zwei Foto gemacht, noch kurz rein in die Kirche – dann hörten wir schon das Hupen des Busses. Also raus aus der Kirche, rein in den Camioneta und wieder zurück nach Xela. Einen Programmpunkt hatten wir nämlich noch. Ein Café, bei dem die Spezialität Kakao ist.
Erst einmal sind wir aber zu früh ausgestiegen: Aber das ist nicht schlimm. Einfach einen Kleinbus anhalten und der hat uns dann in die Innenstadt gebracht – herrlich unkompliziert!
In dem Café entdeckten wir auf der Karte, dass es dort auch etwas zu essen gab – wir haben umdisponiert und erst etwas gegessen und dann gab es für mich den vielgerühmten Kakao und für Sönke einen Cappuccino mit sehr lecker Crema eben als Nachtisch. Also der Kakao war richtig oberlecker – eine glatte Entschädigung für die grausligen Tortillas …