25. Tag: Markttreiben

Mit einem gepflegten Tee- und Bananen-Frühstück habe ich meinen Verdauungstrakt überredet, eine Weile Frieden zu geben. Unser Ziel war Assomada, ein Ort in der Mitte der Insel, in dem zweimal pro Woche ein großer Markt stattfindet. Unsere Kinder werden gerade wieder stöhnen: „Die und ihre Märkte!“ Aber die sind halt einfach klasse!
Also sind wir rüber zum Aluguer-Platz, die Treppe runter vom Plateau. Wir waren noch nicht ganz unten, da hat uns einer angeschnackt, von wegen wohin fahren. Ein zweiter Mann ist ihm mit der gleichen Frage ins Wort gefallen: Woraufhin sich die beiden erst einmal ein Wortgefecht geliefert haben, wer denn nun anschnacken darf und gleichzeitig haben sie weiter um uns gebuhlt. Eine Frau, die neben mir lief, hat sich köstlich amüsiert – wie ich auch!
Nachdem wir im Aluguer des ersten Anschnackers saßen, mussten wir noch ein Weilchen warten, bis das Fahrzeug voll war. Zeit, den Trubel zu beobachten. Der Aluguer-Platz liegt am Eingang eines Marktes und somit gibt es so allerhand zu schauen. Wie ein (totes) Ferkel abgeborstet wird, wie lebende Ferkel in einer Schüssel auf Käufer warten, wie Frauen mit ihren „Kopfläden“ vorbeikommen und den Wartenden ihre Ware anbieten (Sonnenbrillen, Gebäck, Süßigkeiten, frisches Obst, …)
Dann war das Auto voll (incl. 2 lebender Enten) und die Fahrt ging los. An der Küste ist die Vegetation karger, aber sobald man weiter ins gebirgige Innenland kommt, wird es richtig grün. Es war eine schöne Fahrt: Wir haben später beschlossen, dass wir für die Rücktour ein Taxi nehmen, so dass wir noch ein paar Fotos machen können – die kann man nämlich zwischendrin anhalten lassen.
In Assomada haben wir den Markt schnell gefunden: Auf einer Straße standen Betten, Kommoden, Tische, Stühle und Truhen – der Möbelmarkt. Abenteuerlich wurde gekaufte Ware auf die verschiedensten Fahrzeuge aufgebunden – Ladungssicherung? „Das hält schon…“.
Nach der Möbelsektion kam die Klamottensektion: Gebraucht oder neu, man wusste es nicht so genau, was da auf Decken aufgehäuft angeboten wurde. Einmal um ein Gebäude herum waren die Stände aufgebaut. In dem Gebäude ging es weiter mit Kleidern und Schuhen (holla, da waren Schuhe dabei, die den Absätzen meiner Tangoschuhe locker Konkurrenz machen …): Bei vielen Ständen saßen Männer und Frauen und haben auf Nähmaschinen Kleider gefertigt. Nein, keine elektrischen, sondern noch fußbetriebene Nähmaschinen (auch Singer haben wir gesehen) kommen dort zum Einsatz.
Mitten im Ort befindet sich der Gemüsemarkt: So genau kann man nicht erkennen, welches System hinter dem Aufbau der Stände steckt. Aus Platzmangel klemmen sich Händler auf jeden freien Platz, der zu ergattern ist. In der Fleischer-Ecke haben wir ein Brötchen mit Chorizo gekauft: Voll lecker! Vor dem Markt geht es direkt weiter mit Händlern, die sich an der Straße aufreihen. Bei ein paar Frauen lagen schwarze, zusammengebundene Stränge: Das Kraut ist mit Mörsern zerstoßen worden. Nachdem wir wohl reichlich unwissend und fragend geschaut haben, haben uns die Frauen erst mal ausgelacht und dann mit Zeichen zu verstehen gegeben, dass das Schnupftabak sei.
Mitgelacht und wieder was gelernt.
Auf dem Rückweg sind wir nochmals durch den Markt gelaufen: Das Chorizo-Brötchen war zu lecker gewesen, davon mussten wir noch mehr haben. Gerade als wir uns fast zu dem Stand durchgewühlt hatten, ist bei einem Kleiderstand (gibt es dort auch zwischenrein) eine neue Kiste aufgemacht worden: Boah, war da auf einmal ein Gerangel – Winterschlussverkauf ist da nichts!!!
Zurück in Praia sind wir in der Pension glatt eingepennt – doch noch nicht alles so hundertpro in Ordnung. Danach sind wir zum zigsten Mal über das Plateau getingelt, haben noch etwas gegessen: Wird Zeit, dass es morgen weitergeht. Heute abend nehmen wir noch einen Abschiedstrunk in einer Musikkneipe, dann geht es zur letzten neuen Insel unserer Reise: Boavista.

2 Gedanken zu „25. Tag: Markttreiben“

  1. Hallo ihr beiden Inselhüpfer,
    eure tolle Reise geht bald zu Ende. Wir lasen regelmäßig die lebendigen Berichte:voll aus dem prallen Leben. Ihr werdet bei eurem Besuch bei uns viel zu erzählen haben…
    Genießt noch das warme Wetter, denn in großen Teilen Deutschlands zieht augenblicklich der Winter ein – heute Morgen z. B. in Dresden -11° -zieht euch warm an! Allerdings blühen in unseren Garten hier schon die Schneeglöckchen, wir haben bereits erste Frühlingsgefühle.
    Wir wünschen euch noch genußvolle letzte Ferientage und eine gute Rückreise.
    Liebe Grüße

    1. Wir haben ob dieser Nachrichten glatt überlegt, ob wir noch 2 Monate verlängern – aber wir wollen unsere wunderbaren Nachbarn nicht mit Schnee schippen überbelasten. Zudem wird einem dabei auch warm … 😉

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