21. Tag – Schlemmertag


Wir haben heute ungefähr dort weitergemacht, wo wir gestern aufgehört haben: Nein, damit meine ich nicht das Frühstück, sondern unseren Kochkurs.

Nach etwas Durcheinander haben wir Lesly am Markt getroffen. Heute war großer Markttag, das heißt, es war richtig was los! Zusätzliche Stände waren aufgebaut, wo immer sich ein Plätzchen finden ließ. Und es schoben und drängten sich ungleich viel mehr Menschen durch den Markt, als die Tage vorher. Wir hatten Mühe Lesly zu folgen, der aber schon gleich auf dieses oder jenes hinwies. Das ist dieses Gemüse, jenes bereiten wir so oder so zu, und das nächste wird so hergestellt … Und ich selbst habe auch ein wenig für Wirbel gesorgt: Ich hatte nämlich meinen neuen Longyi an und war damit fast Marktgespräch. Mit so einer Reaktion hatte ich nicht unbedingt gerechnet: Ja, das sie das nett finden, okay, aber die Frauen zeigten auf meinen Rock und haben sich total gefreut und anerkennende Gesten zu mir gemacht. Bei sowas werde ich immer total verlegen …

Auf der anderen Seite des Marktes haben wir die anderen Kochkurs-Teilnehmer getroffen: Was eine nette Truppe, wie sich schnell herausgestellt hat. Schweizerinnen, Däninnen, Israelis und eine Männer-Franzosenbande – ach, was Charmeure!

Lesly vorweg, wir hinterher, so sind wir uns durchs Gewühl manövriert worden und haben alle Zutaten frisch eingekauft: Bananenblüten, eine Riesenzitrone, Avocado, Hühnchen, Rindfleisch und Fisch, das Grün von den Zuckerschoten, Äpfel, Orangen, Tomaten, Teeblätter, getrocknete Shrimps und noch vieles mehr.

Mit unseren Einkäufen beladen sind wir mit zwei Tuktuks zum Haus von Bamboo Delight gefahren, wo uns Leslys Frau Sue willkommen hieß. Sie kredenzte uns als Willkommenstrunk einen Tee, gewürzt mit Zitronengras, Ingwer und … oh je, wie soll man sich das alles nur behalten? Erfreulicherweise haben wir alle Rezepte später erhalten, sonst wären wir total aufgeschmissen.

Auf einer Tafel notierte Lesly die Hauptgerichte, die wir heute kochen sollten und einige Salate. Sue fragte jeden von uns nach seinem Namen und schrieb ihn jeweils hinter ein Hauptgericht und hinter einen Salat, den man sich zum Zubereiten aussuchte. Aber sie hat ihn nicht in unseren Buchstaben geschrieben, sondern in burmesisch: Holla, da muss ich noch etwas üben, bis ich den hübschen Schwung raushabe! Sönke bereitete ein Fisch-Curry zu und ein Bananenblüten-Pastry und ich hatte mir Hühnchen-Curry mit Zitronengras und Kokosmilch und einen Zitronen-Salat ausgesucht. Dann hieß es „Schürzen umbinden“ und los ging es mit Brutzeln und „Mise en Place“.

Während die „Rindfleisch-Truppe“ mit Kochen auf den Kohleöfen begann, haben wir anderen die Zutaten für unsere Salate geschnippelt. Dabei ließ sich prächtig klönen über die verschiedenen Reiserouten und Erlebnisse. Dann hieß es „Hühnertruppe“! Moment, damit kein falscher Gedanke aufkommt: Es war auch ein Mann dabei! Jeder bewaffnete sich mit einer Rundpfanne, die auf den Kohleofen gesetzt wurde. Öl hinein und dann ein Gewürz nach dem anderen hinzugeben: Natürlich Zwiebeln und Knoblauch, dazu Kurkuma, Koriander, Ingwer, Peperoni, Fischsauce und mehr. Unter Rühren hat das Öl die Aromen der Gewürze aufgenommen. Dann wurde das Fleisch dazugegeben und ständig gerührt, bis es fast durch war. Bei mir kamen noch klein geschnittene Tomaten hinzu und Gemüsebrühe: Alles musste dann ein paar Minuten einkochen. In der Zeit habe ich für den Zitronensalat noch zwei Krautblätter ganz fein geschnitten. Schnell zurück zum Curry und noch ein paar Kräuter hinzu – dann war das Curry fertig und wurde zur Seite gestellt. „Fischtruppe“ bitte! Und während Sönke und seine Mitstreiterinnen das Fischcurry auf ähnliche Weise zauberten, wurde ein Salat nach dem anderen zubereitet. Mit gerösteten Zwiebeln, in reichlich Öl angebratener Knoblauch, Kichererbsenmehl, Koriander, Erdnussbrösel, Frühlingszwiebeln, bei mir noch in Wasser eingeweichte Shrimps, die ich zermörserte, und noch mehr an Zutaten wurde Salat für Salat angerichtet. Und einer sah leckerer aus als der andere!

Vor lauter Kochen habe ich leider gar nicht richtig mitbekommen, wie Sönke das Bananenblüten-Reis-Pastry (bzw. eine andere Truppe das gleiche mit Frühlingszwiebeln gemacht hat): Aber sie sahen hinterher aus wie kleine Maultaschen ohne Teig drumrum – und waren saulecker!!!

Als alle Salate und Curries angerichtet und auf die zwei Tische verteilt waren, ging es ans Schmausen: Auch wenn man nur kleine Portionen – man wollte ja ALLES probiert haben – auf den Teller gepackt hat: Hinterher waren alle pappsatt! Und während des Essens flogen die Worte in deutsch, englisch, französisch nur so hin und her und es wurde viel gescherzt und erzählt! Das waren Touristen, mit denen man gerne zusammenkommt: Weil sie sich für Land und Leute interessieren und sie respektieren – und man sich wunderbar mit ihnen austauschen kann.

Sue hatte noch ein kleines Dossier geschrieben, wie ihr Leben verlaufen ist und wie sie zu ihrem Bamboo Delight gekommen: Starke Frau, die sich durchs Leben gekämpft hat und einen Teil ihres Gewinns insbesondere Kindern zugute kommen lässt, die es dringend brauchen. Gerade Lehrmaterialien und der Englischunterricht sind auch hier – wie auch am Tonle-See – ein echtes Thema. Volunteers für englisch für die dreimonatige Schulpause ab April immer gesucht!

Mit einem Beutel mit verschiedenen Gewürzen wurden wir verabschiedet: Vielen herzlichen Dank für diesen tollen Kurs – das war richtig schön!

Sönke und ich sind zurück ins Hotel, wo wir Kevin getroffen haben, der sich im Verlaufe des Vormittags eine burmesische Massage gegönnt hat: Jo, die langen schon ein wenig anders zu, als deutsche Masseure! Aber es hat ihm laut eigener Aussage gut getan.

Wenn so eine Südländerin einem Nordlicht etwas beibringen kann, dann ist es, dass eine Siesta kein akuter Anfall von Faulheit ist, sondern sinnvoll: Nur dämliche Touristen rennen in voller Mittagshitze durch die Gegend … By the way: Ganz viele Leute haben hier eine gelbe Paste im Gesicht. Das ist keine Kriegsbemalung, sondern eine aus Sandelholz und geriebenem Holz des indischen Holzapfels gewonnene Paste, die vor Austrocknung und vor allem vor der Sonne schützt. Ja, wenn es alle machen, dann sieht auch nicht mehr doof aus – ganz einfach: Und Sonnenschutz ist hier absolut sinnvoll!

Die heutige Mittagspause haben wir nsofern genutzt, als dass wir nochmals kurz auf dem Markt waren und ein paar Kleinigkeiten geholt haben (Pat: Auftrag erledigt – Dein Job, uns aus dem Gefängins zu holen, wenn wir wegen „Waffenbesitzes“ eingebunkert werden 🙂 …) Und des weiteren haben wir unsere Weiterreise organisiert: Wir wollen mit dem Nachtbus nach Yangun und von dort aus gelich weiter an die Küste: Also gibt es morgen erst mal keinen aktuellen Bericht und wie dann Internet ist – keine Ahnung. Also kein Grund zur Sorge, falls es etwas dauert mit dem nächsten Bericht.

Damit wir die angefutterten Kalorien wieder losbekommen, haben wir uns mit Fahrrädern ausgestattet und sind Richtung Norden außerhalb der Stadt zu einem Kloster gefahren. Und das hat sich echt gelohnt: Einmal das Kloster mit vielen Teakholzschnitzereien und innen mit wunderschönen Verzierungen mit Spiegeln und Gold und wirklich schönen Buddhafiguren. Daneben war ein weißer Stupa – erst hatte ich gedacht – najaha – aber der Umgang um den Stupa, das war beeindruckend! In vielen kleinen Wandnischen standen kleine Buddhafiguren, aber das eigentlich Schöne waren die Verzierungen der Wände drumherum. Ganz kunstvolle Szenen waren mit vielen kleinen bunten Glassteinen auf die Wände gesetzt worden – ich war wirklich beeindruckt davon.

Wir sind wieder in die Stadt zurückgeradelt und haben das gleiche Restaurant wie gestern aufgesucht: Die Speisekarte hatte noch genügend Neues zu bieten. Allerdings war ich noch so satt von unserer Kocherei, so dass mir ein Avocado-Salat locker gereicht hat.

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