Was ein toller Tag! Pünktlich, wie vereinbart, stand unser Bootsmann um 7 Uhr vor der Hoteltür. Kleiner Gang runter zum Kanal und einsteigen in das Langboot: Sönke stieg zuerst ein, dann Kevin und ich habe zuletzt Platz genommen – das war weniger kippelig als gedacht.
Wir wussten bereits, dass es morgens empfindlich kalt ist auf dem Wasser und hatten wohlweislich unsere Windjacken angezogen. Dennoch froren mir fast die Finger ein: Und dabei hat es so viel zu fotografieren gegeben in der wunderbaren Morgensonne.
Erst brausten wir den Kanal entlang bis zum See: Ein Bootsverkehr wie auf dem Canal Grande! Und trotzdem haben es alle geschafft, so zu fahren, dass von den riesigen Wasserfontänen der Bootsmotoren keiner eine unfreiwillige Dusche bekommen hat.
Auf dem See angleangt, konnten wir gleich die Fischer mit ihrer speziellen Rudertechnik beobachten: Sie rudern mit einem Arm und einem Bein, um die andere Hand fürs Fischen frei zu haben. Ich hätte mir dabei gepflegt die Hüfte ausgerenkt!
In schneller Fahrt ging es über den See und ich kuschelte mich so tief in meine Jacke ein wie es ging: Als nach einer Stunde die Sonne anfing zu wärmen, war ich allerhöchst dankbar! Wir erreichten den südlichen Bereich des Sees: Dort gibt es ganz viele kleine Orte, deren Häuser auf Stelzen im Wasser stehen. An den Hausstegen waren die Frauen emsig damit beschäftigt, ihre Wäsche zu waschen. Wirklich überall klopften und walkten und wrangen sie die Wäsche und oft genug haben sie sich auch gleich eine Dusche verpasst. Vollbekleidet, wie es sich hier gehört.
Wir fuhren in einen Seitenarm ein und stiegen aus, um einen kleinen Markt zu besuchen: jeden Tag wechselt der Marktort, so dass einmal in der Woche rund um den ganzen See Markt war. Es war ein einfacher, hübscher Bauernmarkt, ohne Touristengedöhns. Unser Bootsmann stellte uns noch eine Frau vor, die uns ihre kleine Töpferei zeigte: Okay, das war jetzt handwerklich nicht so das Neueste, schließlich gibt es auch bei uns Töpfereien.
Den See haben wir am Südende verlassen und sind auf einem meandernden Fluß weitergefahren. Viele Vögel konnte man dort beocbachten – vor allem Reiher in rauhen Mengen. Ochsen standen immer wieder am Ufer angepflockt, um bei Bedarf bei der Feldarbeit eingesetzt zu werden. Und viele Bauern bei der Feldarbeit. Dann erreichten wir den unteren See, der sehr stark mit Seerosen zugewuchert ist. Manchmal habe ich mich echt gewundert, wie unser Bootsmann den Weg finden konnte. Einmal mussten wir auch umkehren und eine andere Fahrrerrinne nehmen, weil es einfach zu dicht war.
Wir erreichten eine Pagode mit ganz vielen Stupas drumherum: Alt waren sie und mit wunderschönen Figuren versehen. Viele in restaurationswürdigem Zustand, aber mit viel Ausstrahlung – kein Glitzergoldkram mit Blinkelichtern.
Gleich um die nächste Kurve der nächste Halt: Eine Reisschnaps-Brennerei. Die Jungs haben probiert, aber ich fand schon den Geruch nicht so prickelnd. Sönke hat ein Fläschchen erstanden – nu denn … An dieser Stelle konnte man einen kleinen Hügel hochlaufen und hatte einen phantastischen Blick über den See und die Reisfelder.
Nun wurde der Seeroschenbewuchs immer dichter, aber immer hat unser Bootsmann einen Weg gefunden. Und so kamen wir am südlichsten Punkt unserer Fahrt an: in Sagar. In einem Restaurant haben wir eine Kleinigkeit gegessen. Während wir noch auf unser Essen warteten, stiegen auf einen Schlag aus dem Feld neben uns Abertausende von Bienen auf und flogen ein Stück weiter über ein kleines Stupafeld. Whow ich habe noch nie einen so großen Bienenschwarm gesehen! Nach dem Essen sind wir noch kurz zwischen den wirklich sehr zerfallenen und teils auch überwachsenen Stupas herumgelaufen und dann wieder zum Boot zurück.
Auf dem Rückweg haben wir noch einen Abstecher zu einem Tempel spendiert bekommen. Oh nö, schon wieder so ein Blinketeil … Anmerkung Sönke: „Du hast nur nicht verstanden, dass man den Erleuchteten am besten viet viel blinkenden LED darstellt!“ – hmmm…
Neugierig war ich auf die letzte Station: Eine Weberei, die nicht nur Baumwolle und Seide verarbeitet, sondern Lotus. Ein Stengelbündel wird angeschnitten und auseinandergezogen. Dabei werden die inneren Fäden freigelegt, die Stück für Stück aneinandergelegt miteinander verdrillt werden. Dadurch entsteht ein sehr fester Faden. Natürlich mussten wir dann auch noch die Webstühle besichtigen nebst anschließendem Verkaufsraum. Die Seidenwebereien hier sind berühmt und wie schon in Mandalay klappern aus vielen Häusern die Webstühle.
Nun aber ging es zurück über den See – ein toller Tag mit ganz vielen wunderbaren Eindrücken!








