16. Tag: Cha das Caldeiras

Im Reiseführer steht, dass die Fahrt von Sao Felipe bis in die Cha das Caldeiras 1 bis 2 Stunden dauern solle. Hm, als Normaleuropäer denkt man sich: Man kennt die Strecke, man kennt die Durchschnittsgeschwindigkeit – wieso also keine exaktere Angabe?
Nun, da ist halt noch nicht eingerechnet, dass:
– erst noch ein weiter Tourist drei Ecken weiter abgeholt werden muss
– dann eine Diskussion mit einer älteren Frau geführt werden muss
– dann diverse Waren eingeladen werden müssen (andere Ecke)
– dann noch zwei weitere Fahrgäste zusteigen (noch eine andere Ecke)
– dann die ältere Frau von vorhin mitten im Dorf abgeholt wird,
– getankt werden musste (links im Dorf) (inklusive 2 Wasserflaschen, die mit Super fürs Mopped einer Mitfahrerin gefüllt wurden)
– dann zur Polizei gefahren werden musste (oberes Dorf, Angelegenheit der älteren Frau)
– dann zur Bank (mittleres Dorf), dort nichts erreicht
– dann Mitte Dorf und eine jüngere Frau eingesammelt (mit Papieren für die ältere Frau)
– dann zur Bank (juhu, geklappt! Einzahlung wurde auf dem Papier quittiert und nebenher ist der in steilster Straße geparkte, voll beladene Bus entgegen meiner Befürchtungen nicht rückwärts losgerollt)
– dann Polizei: Die gestempelten Papiere abgeben (oberes Dorf). Puh – geschafft!
– Gas eingekauft für eine andere Passagierin: linke Dorfhälfte
– dann Berg rauf mit kurzem Papayakaufstopp und intensiver Diskussion, ob das Gericht richtig entschieden hat
Also mal ehrlich: 1 bis 2 Stunden sind als Wegschätzung schon extrem präzise!
Die Fahrt den Hang zur Cha das Caldeiras hoch war schon wirklich toll: Die ersten Lavaströme haben wir sichten können. Aber bei der Einfahrt in die Caldeira hat es uns doch etwas den Atem verschlagen: Lava, Lava, Lava! Unglaublich: Christel, das wird ein Traum für Dich!!!
Jetzt mal kurz ausgeholt: Also die Cha das Caldeiras ist ein Vulkankrater, der auf einer Hälfte ins Meer abgerutscht ist. Der höchste Punkt in dieser Caldeira (die keine klassische Einsturzcaldeira ist, weil darunter keine Magmablase ist) ist der Pico de Fogo mit gut 2800 m: Quasi ein Vulkan im Vulkan. Gleich daneben ist der Pico Piqueno, der beim letzten Ausbruch 1995 entstand: Da soll es wohl noch richtig heiß sein.
In unserer Privatunterkunft sind wir recht nett empfangen worden: Der Herr des Hauses ist auch Bergführer und hat keinen Zweifel daran gelassen, dass wir es zum Krater des Pico schaffen (immerhin 1000 Höhenmeter – wir waren eigentlich schon drauf und dran respektvoll davor zu kneifen …). Nun denn ist morgen Frühstück um 6 Uhr angesagt und dann soll es losgehen.
Wir haben noch einen kleinen Spaziergang gemacht, um uns etwas zu orientieren und uns den erkalteten Lavaströmen vorsichtig anzunähern. Das ist der absolute Oberhammer! Bitte Bilder ansehen – das kann man einfach nicht beschreiben ohne ständig in die allerhöchsten Begeisterungstöne zu verfallen.
Das ganze Gebiet ist Naturpark und am Eingang zu dem Ort Portela steht das architekturgekrönte Gebäude der Naturparkverwaltung. Der alte Hauswart stand davor und hőrte Radio vor Langeweile. Wir kamen da gerade recht und er zeigte uns voller Stolz das ganze Gebäude inklusive Notstromaggregat, Zisterne und Solaranlage auf dem Dach – auf kreolisch … Aber inszwischen verstehen wir das schon ein wenig und den Rest reimen wir uns zusammen.