Kinder, Kinder!

Frühstück: dieses Mal etwas früher – aber deshalb nicht minder gut. Neben Papaya und Bananen gab es auch Ziegenkäse: Der hat hier eine weichere, fast „mozarella-artige“ Konsistenz und schmeckt nicht so intensiv wie bei uns.
Dann haben wir uns ein Aluguer gemietet und sind über die alte Passstraße ins Gebirge gefahren – wirklich spektakuläre Ausblicke in die verschiedenen Schluchten. Teilweise verlief die Straße auf einem Mini-Grat: Tiefe rechts – Tiefe links.
Je höher wir kamen, desto mehr Bäume gab es und desto feuchter wurde die Straße. Oben gab es ganz plötzlich einen abrupten Wechsel der Vegetation: an der Nordseite alles grün, südlich dann alles trocken und braun. Hier sah man deutlich die Wetterscheide. Die Wolken geben ihr Wasser beim Aufstieg komplett ab (wie Sönke auch).
Wir sind an einem großen Krater („Cova de Paul“) auf gut 1.000 m Höhe ausgestiegen und wollten uns zu Fuß auf den Weg ins Tal machen. Aber erst sind wir in den Krater des erloschenen Vulkans abgestiegen: Der fruchtbare Boden des Kraters wird landwirtschaftlich genutzt. Auf der anderen Seite ging es wieder den Krater hoch und dann ging es richtig los: Unglaublich steile alte Maultierpfade führen ins Tal hinunter.
Eigentlich nur mal „Kandel-runter“: Aber es ist doch irgendwie eine andere Nummer.
Steil, steil, steil!
Nach einer halben Stunde Abstieg kamen die ersten terrassierten Felder: Dieses Tal ist sehr fruchtbar, bodenbedingt und weil es das ganze Jahr Wasser führt. Unterstützt wird die Bewässerung durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem – ein bisschen erinnerte es mich an die Reisterrassen in China. Es werden so viele unterschiedliche Pflanzen angebaut: Wurzeln, Kohl, Tomaten, Kaffee, Yams, Mais, Bohnen, Erbsen, Zucchini und vor allem Zuckerrohr. Letzteres wird nicht zur Zuckergewinnung genutzt, sondern es wird Grogue daraus gebrannt. Insbesondere das Zuckerrohr ist sehr robust und vom Tausendfüßler als großem Schädling verschmäht. Dennoch leben die Menschen hier am Existenzminimum: Die Bewirtschaftung ist durch die kleinen Parzellen und die steile Lage extrem aufwändig.
Wir sind zu einem besonders schönen Zeitpunkt da: Das Zuckerrohr steht in voller Blüte.
Weiter ging der Abstieg durch kleine Häuseransammlungen bis zur Straße. Immer wieder haben wir Schulkinder getroffen, die ihre Französischkenntnisse ausprobiert, aber auch gerne nach Süßigkeiten gefragt haben …
Von der Hauptstraße haben wir nochmals einen kleinen Abstecher gemacht: Dort haben wir zum ersten Mal gesehn, dass Felder direkt in einem Bach angelegt worden sind. Ordentlich parzelliert und „beackert“. Unser Abstieg wurde ab hier von drei Schulkindern begleitet, die gerade auf dem Heimweg von der Schule waren. Die Älteste der Drei (10 Jahre) war die Mutigste und hat uns auf französisch (was sie halt so konnte) Fragen gestellt, aber auch voller Stolz erzählt, dass sie und ihre Freundin die Besten in der Klasse wären. Die Drei verabschiedeten sich nach und nach und wir mühten uns weiter bergab: Die Zehen und Knie meldeten sich langsam, aber deutlich…
Unerwarteter Überraschungsangriff: Fünf kleine Kinder kamen uns entgegen – vielleicht so fünf Jahre alt. Ich grüßte wie immer und hatte – wupps – ein Kind am Bein, das mich umarmte und die anderen haben es ihr gleich nachgemacht! Ich hab so lachen müssen! Und Sönke ist auch nicht verschont geblieben. Und dann sind die Kleinen auch gleich weitergeturnt. Es sind Begegnungen wie diese, die diesen Urlaub so besonders machen!
Der restliche Abstieg war mit wahlweisem „Aua“-Gejammer von mir oder Sönke irgendwann geschafft und in Vila das Pombas an der Küste hat uns ein Aluguer wieder nach Ribeira Grande zurückgebracht.
Restauration der leiblichen Hüllen und ein Rekonvaleszenz-Nickerchen haben uns durchaus gutgetan. Als „aktive Erholung“ haben wir einen Spaziergang zum Meer gemacht und uns die Riesenbrecher angesehen. Und anschließend einmal mehr lecker gegessen: Sönke hat dieses Mal besonders gut gewählt und „mariscos“ bestellt: Reis mit Meeresfrüchten.

2 Kommentare zu „Kinder, Kinder!“

  1. Hallo Elke, Hallo Sönke,

    das Huhn ist wohl jetzt hin. Dafür hat es wohl gelebt. Und Kinder habt Ihr sicher auch nicht mehr an den Beinen hängen. Somit sind die nächsten noch kommenden Kilometer in einigermaßenem Tempo absolvierbar. Und ich finde, die lohnen sich bei den landschaftlichen Impressionen, an denen Ihr uns teilhaben lasst.

    Die Berichte sind großartig und lassen einen fast dabei sein.

    Danke

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