Kleine Wanderung zum Eingewöhnen – Jesko, Du hättest Deine Freude an mir gehabt …
Aber der Reihe nach.
Erst mal hat Liane uns ein wunderbares Frühstück kredenzt mit frischen Ananasscheiben, Bananen, Eiern, Papayamarmelade, Brot und Kaffee. Mit einem Schweizer Pärchen haben wir uns nebenher ganz nett unterhalten.
Dann aber „rin in die Botten“.
Jaaa, Papa, ich habe meine guten alten Wanderschuhe mal wieder ausgeführt! Anfangs waren sie noch ein bissel hart, aber nach kurzer Zeit wieder warmgelaufen.
Anfangs sind wir an der Küstenstraße entlang bis zur ersten Weggabelung, die in die Berge führte. An der Ecke hat es leicht gemoffelt: In winzigen Steinverhauen wurden Schweine gehalten: Kein guter Anblick für Tierschützer.
Wir sind links abgebogen auf einen schmalen, steilen Pfad und haben erst mal ordentlich Höhenmeter gemacht. Dann wieder eine Schotterstraße entlang, die auf einmal zu Ende war. Und da nahm Sönkes Verhängnis seinen Lauf. Es gab drei verschiedene Wegvarianten: Eine alte Frau wies uns den Weg – sie dachte wohl, dass wir gerne lange wandern wollen … – ein Riesenumweg von geschätzt fünf Kilometern und streng durch ein steiniges Bachbett bergauf. Zu guter Letzt haben wir das Dorf, zu dem wir hin wollten, doch noch gefunden. Ein Mann hat uns dann weitergeholfen, indem er sagte, dass wir zu nächsten Dorf die nächste Schlucht queren müssten: Das haben wir auch irgendwann geschafft, aber der reguläre Weg war das bestimmt nicht gewesen. Sönke hat wohl insgeheim geflucht, dass er sich so eine Bergziege wie mich angelacht hat.
Bei einem Abzweig trafen wir unsere Schweizer, die den direkteren Weg gefunden hatten, beim Rasten. Nun wieder auf dem richtgen Weg, ging es weiter. Zwischendrin haben wir an einem schattigen Plätzchen kurz Rast gemacht. Ein deutsches Pärchen kam uns entgegen und gegenseitig haben wir uns den Weg beschrieben: Noch drei Kämme zu überqueren – oha, doch noch in ganz gutes Stück. Und viel Wasser hatten wir nicht mehr. Die Schweizer holten uns an einer reichlich steil bergauf führenden Stelle ein und der Mann schaute etwas besorgt, als er Sönke sah. Aber ich beruhigte ihn und so liefen sie voran. Der Weg ging steilst, in engen Serpentinen bergab, wir durchquerten eine Schlucht und es ging, Schrittchen für Schrittchen, auf der anderen Seite wieder bergauf. Und die Landschaft wurde immer schöner: Sönke sagte, ich solle ruhig meine Fotos machen – dann würde er wenigstens hinterher etwas von der tollen Landschaft haben. Die engen Schluchten fressen sich tief ins Gestein ein. Pflanzen klammern sich an die Hänge, wo immer sie Halt finden. Die Bauern haben viele Hänge terassiert und bauen dort Bohnen, Erbsen, Bananen, Mais, Kaffee, Zucchini an. Diese Landwirtschaft ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass es gerade ein, zwei Mal im Jahr regnet. Also wie geht das? In diesem nördlichen Teil der Insel prallt der Passat auf die Küste und steigt vom Meer her die Hänge hinauf und bildet Wolken. Meist reicht es nicht zum Steigungsregen, dennoch nehmen die Pflanzen die Feuchtigkeit auf. Durch die Wolken ist es auch etwas kühler als auf dem restlichen, wieder staubtrockenen Rest der Insel. Oben angekommen reißen die Wolken an einem Bergkamm ab. Bei der Anfahrt mit der Fähre hatten wir das schon gut beobachten können: Wirklich markant dieser Abriss.
Oben auf dem zweiten Bergkamm sahen wir die Schweizer, wie sie auf der anderen Seite hochgeklettert sind: In dem Moment hätte Sönke am liebsten Arme und Beine angezogen und wäre runtergekullert. Erfreulicherweise konnte ich ihm das ausreden und wir haben die dritte Schlucht in Angriff genommen. Steil runter, dann rüber und nochmals zur Krönung ein Aufstieg, der den Kalkbergen in Guilin zur Ehre gereicht hätte! Irgendwann waren wir oben und konnten uns etwas in den Schatten setzen. Der Rest war nur noch Pfad und dann Straße bergab. Und Sönkes insgeheime Hoffnung wurde erfüllt: Ein Aluguer – hinten offene Ladefläche mit zwei Sitzbänken und zwei freien Sitzplätzen. Also reingeklettert und dann ruckelte das Auto die holperige Pflasterstraße (nett gesagt) bis zur Küstenstraße hinunter und anschließend flott die Küstenstraße entlang – das hat voll Laune gemacht da hinten drauf. An der Aluguer-Haltestelle im Ort sind wir rausgeturnt, zur Pension marschiert und haben es tatsächlich geschafft, die Treppe zu unserem Zimmer hochzusteigen.
Was duschen und trinken doch eine unendliche Wohltat sein können!
Die auf 5 Stunden angesetzte Tour hat tatsächlich 8 Stunden gedauert: Morgen werden wir sicherlich eine gaaaaaaaanz einfache Tour machen. Entlang der Küstenstraße mit ihren wilden Felsen auf der einen Seite und der heftigen Brandung des Meeres auf der anderen Seite – und nicht so viel Steigung…
Sönke? Sönke! Ich bin fertig mit meinem Bericht – können wir was essen …? Nein, er schläft …










Wow und nun auch mit Bildern. Und was für welche. Das sieht nach mehr aus. Wenn der einsame Wanderer mit der blauen Kappe die ersten Abnäher für die Buxen braucht, seid Ihr wohl zu viel gewandert? Dassind ja schon ordentliche Märsche.