Tag 26 – Lijiang

In der Nacht hat es kräftig gewittert und am Morgen war es immer noch regnerisch – Zeit also, Dali zu verlassen. Nachdem wir uns ausgerechnet haben, wie viel Zeit uns noch übrig bleibt und was wir an Reisezeit einplanen müssen, hatten wir beschlossen, noch ein Stück weit ins Hinterland zu fahren – nach Lijiang (2500m ü.NN.).

Mit einem Kleinbus sind wir 3 Stunden in der halsbrecherischsten Fahrt meines Lebens dorthin gefahren. Der Fahrer muss den absoluten Röntgenblick gehabt haben, so dass er um die Kurven schauen konnte. Oder er ist nach dem Motto gefahren „gestern kam dort auch nichts!“. Oder einfach nur „hoppla, jetzt komme ich und schieb alles beiseite!“. Oder alles drei zusammen!!!!!
Und dazu kam noch eine chinesische Unart: Chinesen finden es wohl absolut klasse, den Schleim aus den hintersten Winkeln der Lunge mit entsprechender Geräuschkulisse herauszurotzen und rauszuspucken. Anhand der Gräuschkulisse kann man schon fast Konsistenz, Menge und Lungenanteil heraushören … Wenn wir unsere Rucksäcke mal abstellen müssen, empfiehlt es sich durchaus, vorher einen prüfenden Blick auf den Boden zu werfen.

Und noch etwas, was wir absolut grauslig finden: Chinesen lassen ihren Abfall einfach auf den Boden fallen, egal wo. Auch im Lokal, wenn sie beispielsweise die Stäbchen auspacken: Zack, Verpackung wird einfach unter den Tisch fallengelassen. (Nach einem Essen sieht es auf und unter dem Tisch aus wie Sau!!) Grillspießchen vom Stand fertig gefuttert? Spießchen fallen lassen. Nase geputzt im Auto? Fenster auf, raus damit. Dass China nicht im Müll versinkt, liegt einzig und allein an der Armada von Straßenkehrern, die alles auffegen, Plastikflaschen einsammeln (dafür das Pfand kassieren) oder auch Pappe ist gefragt.

In Lijiang angekommen, sind wir erst einmal futtern gewesen: Lecker Nudeln in einem muslimischen Lokal. Anschließend sind wir durch die Altstadt getappert: Unesco Weltkulturerbe. Die Gebäude sind aufwändig restauriert worden, so dass der Charme erhalten geblieben ist. Und es ist ein richtig großes Areal, so dass man sich locker in den kleinen Gassen verlaufen kann. Durchzogen von Kanälen und kleinen Bächen ergeben sich mit den kleinen Holzbrücken malerische Ecken. Wenn man von den immergleichen Läden mit Glücksbringern, Tee, Marmor, Schals und sonstigem Tand absieht, ist es eine wirklich hübsche Altstadt – vor allem, weil auch hier auf blinkende, grelle Leuchtreklame verzichtet worden ist.

Ein Haus habe ich „Freßhalle“ getauft: Ein Essensstand reihte sich an einen anderen. Und in der Mitte standen Tische. Jeder kann sich also sein Lieblingsessen holen und essen kann man dann zusammen in der Mitte. Und jetzt kommt noch etwas zur Bereicherung der Speisekarte: Maden und Heuschrecken auf Spieß gefällig? Nein? Ok, muss ich auch nicht haben!

Die Jungs hatten irgendwann keine Lust mehr und wir sind zum Hostel zurück.
Sönke und ich aber wollten doch nochmals los. Wir haben uns durch die Stadt treiben lassen, sind über den Markt gelaufen: Einfach gut. Als unsere Füße irgendwann gestreikt haben, sind wir zurück. Die Bande spielt nun das chinesische Kartenspiel und ich bin am Bericht schreiben.