2. Tag – Chicken-Bus


So mal längs liegen, wenn man so lang gesessen hat, tut schon mächtig gut! Aber wir – nein insbesondere ich – sind gut aus den Federn gekommen und haben uns erstes Frühstück hier genossen: Spiegeleier, Bohnenmus, Tomatendip, etwas Käse und frittierte Bananen. Doch etwas anders als bei uns.

Panajachel – Atitlan-See

Nach kurzem da Spaziergang zur Bank haben wir unsere Sachen gepackt und sind mit dem Taxi zur Busstation. Das Taxi hat uns bei einer kleinen Station rausgelassen, aber die Leute dort erklärten uns, dass wir doch zu der Station um die Ecke gehen sollten. Haben wir auch gemacht – aber die war reichlich zu und nur ein abgewracktes Schild wies auf die Statio hin. Nun gut, wir haben etwas gewartet und siehe da, ein Bus kam und das Tor zu einem Hinterhof wurde geöffnet. Wir wurden freundlichst hineingebeten und da stand noch so ein cooler Bus: Bunt und mit blitzendem Chrom. Während wir noch warteten bis es los ging, wurden die Busse poliert und gewienert – ich hatte akut ein schlechtes Gewissen beim Gedanken an unser Auto …
Irgendwann ging es dann los zum nächsten Halt an einer größeren Haltestation. Dort stiegen so ganz gemächlich noch ein paar Fahrgäste ein. Und dann ging es richtig los: Es gibt immer einen Fahrer und einen Ajudante, seinen Helfer. Der hängt in der offenen Tür und schnackt die Leute an, hupt auch mit und kassiert und organisiert die Fahrgäste. Diese Busse heißen übrigens Chickenbus – man kann sich denken, was damit transportiert wird. Aber dieses Mal war alles harmlos.
Das Ein- und Aussteigen passiert fast on the fly: Eigentlich hält der Bus fast nicht an, wenn der Busfahrer auf Zuwinken um Mitfahrt gebeten wird. Und auch das „Unterhaltungsprogramm“ steigt kurz ein, hält eine flammende Verkaufsrede (Schlüsselanhänger, Schokoriegel, USB-Sticks, Zeitung, Tortillas, Obst in Tüten) und steigt dann während der Fahrt wieder aus. Interessante Marketing-Strategie: Der Verkäufer kommt in den Bus, greift in seine Tüte und verteilt seine Ware an die Leute. Hinten im Bus angekommen dreht er um und sammelt alles wieder ein – es sei denn, jemand möchte etwas kaufen. Bei USB-Sticks kann ich das noch verstehen (ich kann mir die Ware ansehen und prüfen), bei drei Schokoriegeln zum Sonderpreis find ich das schon etwas komisch …
Über eine vierspurige Bundesstraße ging es dann aus der Stadt heraus in die Berge: Jo, das mit der schnellen Schumacher-Ideallinie klappt auch mit einem Bus! Überholmanöver haben mich durchaus an chinesische Verhältnisse erinnert: Gegenfahrbahn? Ach was, kann man auch längere Zeit in die andere Richtung nutzen.
Irgendwann sind wir dann am Atitlan-See angekommen: Eine wunderschöne Kulisse! Der See ist eigentlich eine vollgelaufene Caldera und die drei größten Vulkane drumrum über dreitausend Meter hoch. Morgen wollen wir eine Tour über den See machen. Heute haben wir uns mit einem Gang durch die Gemeinde begnügt: Erste Amtshandlung – Hut für mich kaufen, wie immer. Hat geklappt, aber eigentlich zu teuer gekauft. Nun, Panajachel ist ziemlich touristisch. Schön ist allerdings die bunte und fein gewebte Kleidung der Frauen: Das sieht so hübsch aus!
Doch noch etwas erschlagen von Flug und Wärme haben wir uns nun im Hotel zu einem kühlen Bierchen in den Schatten zurückgezogen. Später wollen wir noch etwas essen, aber dann auch zügig in die Heia.